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Aus der Werkstatt: Gack Feinhobler HE 20


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Ludwig Gack, Mühlacker • Feinhobelmaschine HE 20

"tarnen und täuschen"

Vorgeschichte:

Schon vor einigen Jahren wollte ich eine Hobelmaschine (die richtigerweise Stoßmaschine heißt). Nur woher bekommen und was kostet das? Den Versuch für meine FP1 einen Stoßkopf zu bekommen hab ich inzwischen halbwegs aufgegeben. Also hab ich halbherzig weiter gehofft irgendwann doch einen Schnellhobler (eine andere gebräuchliche Bezeichnung für das Gleiche) zu bekommen.

Irgendwann (Ende Mai 06) hab ich im Internet dann zufällig einen Link gefunden bei dem eine Gack HE 20 angeboten wurde. Eine Gack! Genau das was ich wollte. Ich hab nur 10 Minuten gebraucht um mich selbst zu überzeugen dass ich die jetzt wirklich will und sofort angerufen und bestellt. Ohne Besichtigung und nur mit der Aussage "Wenig gebraucht" bzw. "scheinbar nicht benutzt" und "mit Zubehör". Der Verkäuferr war ein Händler für alte Bundeswehrbestände. Auf den Bildern war ein grüner Klecks erkennbar. Aber genug um nicht mehr widerstehen zu können.

Bis dann die Maschine bei mir war, hat es noch zwei Wochen gedauert. Und der der Preis? 490.- EUR.

Auf einer Palette verschraubt sind 400kg (die Spedition muss ja auch irgendwie bescheissen) Gußeisen Baujahr 1965 in einer Schutzfolie zur Einlagerung gekommen. Und dann kam das spannende Auspacken! Und zu meiner goßen Freude: Das Maschinchen war einfach nagelneu, jungfräulich, unberührt und mit Korrosionschutzwachs überzogen.

1 Liter Petroleum und einen Berg Putzlappen später stand sie dann so da:

Die Bilder:

Achtung Farbenblinde!

Was auf den Bildern wie braun aussieht ist schlichtes NATO-Oliv. Selbst intensivstes Verstellen der Digitalkamera hat es nicht geschafft die richtige Farbe herzubekommen. Aus meiner BW-Zeit weiß ich, dass die Farbe IR verschluckt. Das ist wohl der Grund für die Fehlfarben …

Seitenansicht mit Blick auf den automatischen Vorschub mit Exzenter, Handrad zum manuellen Bewegen des Stößels (zum Einstellen von Hublänge und Lage). Man sieht die blitzeblanke geschabten Führungen. Ungebraucht!

Das Schutzblech das quer zum Stößel liegt, ist verkehrt herum montier (ist falsch montiert gekommen), die Lappen müssen nach unten zeigen (und nicht nach oben).

Wie gesagt: Was braun aussieht ist oliv!

Antriebsseite mit Motor und Blick auf das schöne Gack-Firmensignet (ich hab dann später noch drübergeschliffen, damit es besser rauskommt)
Der Schraubstock und der Hobelkopf etwas genauer (der Schraubstock war auch dabei).
Der Vorschubmechanismus etwas genauer. Durch lockern der großen Rändelmutter und Verschieben im Schlitz kann man den Vorschub in 6 Stufen verändern. Kleinste Stufe sind 0,06mm. Je nachdem auf welcher Seite des Drehpunkts aus der Exzenter festgeklemmt wird, kann der Vorschub am vorderen oder hinteren Ende des Hubes gemacht werden. Das ist für ziehenden Schnitt interessant (dazu später).
Die Ratsche des Quer-Vorschubs. Man kann den Mechanismus abziehen und auf die untere Welle stecken. Dann hat man den Vorschub in vertikaler Richtung. Der kleine Knebel mit dem Rundkopf schaltet den Vorschub (hier aus) entweder nach links oder rechts.
Genauerer Blick auf den Stoßkopf (AKA "clapper box") und den Schraubstock. Der Schraubstock lässt sich um 90° nach Skala drehen, der Stoßkopf um 2 * 45°
Das mitgelieferte Zubehör:
  • Links der Rückwärtshobelkopf (für ziehenden Schnitt, praktisch wenn man nach Anriß arbeitet)
  • 4 große Hobelstähle (Linker, Spitzstahl, Schlichtstahl und Rechter)
  • Der Sparstahlhalter
  • 4 Sparstähle

Die Sparstähle haben den Vorteil, dass sie sich leichter nachschleifen lassen und man einfache HSS-Rohlinge verwenden kann.

Div. Schlüssel, auch im Lieferumfang.

Bilder aus Prospekten

Ich habe zwei Scans / Kopien von H 20 Prospekten. Einer hat 8 Seiten und stammt von etwa 1954, der Andere hat 4 Seiten, ist 2-farbig (+ Gelb) und sieht etwas jünger aus.

Beide zeigen die H 20 und HE 20. Viele der Zubehörteile passen auf beide Maschinen, einige sind auf der anderen Maschine sinnlos oder schon eingebaut.

Keine Angst, das Zubehör habe ich nicht. Ldeiglich was oben auf den Bildern zu sehen ist. Sollte jemand etwas für die Gack haben, kann er mir es gerne anbieten.

Die H 20 mit dem Würfeltisch. Dier Tisch kann nach Skale gekippt werden.
Hier sieht man ein interessantes Detail: Das Bild wurde von einer H 20 mit angebauten Kehlhobelkopf gemacht, allerdings ist der Kopf selbst nicht montiert. Im nächsten Bild fehlt der Kasten links vom Stößel.
Der eingebaute Schraubstock der H 20 in Arbeitsposition. Der Tisch kann gedreht werden und mit Indexstiften auf fixe Positionen ausgerichtet werden, oder per Gradeinteilung frei eingestellt werden.
Die H 20 beim Feinhobeln (ziehender Schnitt, Rückwärtshobeln) aller Seiten mit einer EInspannung (mit Teilkopf).
Ein winziger Unterschied zu meiner HE 20: Im Bild wurden Schmiertöpfe verbaut, meine hat Schmiernippel. Auch ist die Halterung für die ARbeitsleuchte bei meiner nicht gegossen und auf der anderen Seite.
Die H 20 beim konisch-hobeln. (rückwärts). Der Tisch wird statt des Schraubstockes eingesetzt und er passt nicht auf die HE 20.
Die HE 20 (erkennbar aum einfachen Tisch).
Der Schraubstock der HE 20. Bei der H 20 ist die Unterplatte Teil des Würfeltisches. Gack verkaufte die Schraubstöcke auch einzeln und es gab einen eigenen Prospekt dazu.
Der Vergrößerungstisch (310 * 310 mm) passt auf beide Modelle. Die Spannbacken konnten einzeln gekauft werden.
Der kippbare Tisch für die H 20.
Der Teilkopf. Gack nannte ihne Teil- und Rundhobelkopf.
Die Strichglaseinheit. Im K 150 Prospekt wurde sie "Radien-Ausrichtgerät" genannt (was etwas treffender ist).
Ein Blick durch das Strichglas.
Ein Mesßstativ. Nichts besonderes, es wurde nur dazu mitverkauft.
Ein Meßuhrhalter der an die vertkale Führung geklemmt werden kann. Nachdem in der vertikalen Richtung der Tischverstellung keine Skala vorhanden ist recht praktisch. Das Zubehör erscheint nur in der 4-seitigen Brochure.
Inzwischen hab ich mir einen nachgebaut.
Ein Zentriergerät für das Koordinatenfutter.
Das Koordinatenfutter. Es wurde auch für die K 150 verkauft. Für die K 150 wurde auch ein Exzenterfutter angeboten (dazu gibt es aber keine Bilder in Prospekten).
Der Spannzangenkopf auf dem Koordinatenfutter. Wurde auch für die K 150 angeboten.
Das ist das genialste Zubehör für konventionelle Hobelmaschinen. Ein Kehlhobelkopf. Am ENde des Hubes schwenkt der Hobelstahl nach oben und hobelt somit einen Radius (für Schnittstempel oft gebraucht). Dammit hat man die Grundfunktionalität einer K 150. Das Zubehört passt wohl auf eine H 20 und HE 20.
Der Rückwärtshobelkopf und der Standardhobelkopf. Man konnte einen der beiden mitbestllen oder den zweiten dazukaufen.
Der Stahlhalter für die Sparstähle und die Stähle dazu.
Der Hobelstahl-Satz
Die Stähle für die Kehlhobeleinrichtung. Die einzige Besonderheit ist deren Querschnitt).
Einige Arbeitsbeispiele. Man beachte den Radius am Grund der Schnittstempel. Dafür brauchte man die Kehlhobeleinrichtung.
Arbeitsbeispiele …
Arbeitsbeispiele …
In den Prospekten wurde immer wieder herausgestrichen, dass die Arbeiten in einer Aufspannung gemacht werden können. Entweder zwischen Spitzen oder in der Spannzange. Das Teil rechts oben wurde offensichtich in der Spannzange gemacht. Man stelle sich vor das untere wellenförmige Teil im Schraubstock machen zu müssen und dabei 4 mal umzuspannen. Weil kein Drehherz verwendet wurde, wurde das Werkzeug (beim Arbeiten zw. Spitzen) durch eine facettierte Körnerspitze gedreht.

Technisches:

Die Gack HE 20 ist das einfache (daher das "E") Modell der Gack H 20. Die H 20 hat einen drehbaren (längs dem Stoßkopf) Würfeltisch der einiges an Möglichkeiten bietet, aber auch kleiner ist.

Maschinenbezeichnung Waagrecht-Stoßmaschine
Typ HE 20
Gewicht 315 kg
Motor Drehstrom Stern/Dreieck 0,55 / 0,8 kW
Stößelhub 0 … 200 mm
Tisch Querbewegung 275 mm
Querspindel Steigung / Skalenstrich 3 mm / 0,05 mm
Hubzahl 60 und 120 Hübe / min.
Verstellbereich Stößel 350 mm
Vorschub quer 0.06 mm … 0,36 mm (6 Stufen)
Vorschub senkrecht 0,2 … 0,12 mm (6 Stufen)
Höhenverstellung Tisch 90 mm
Höhenspindel Steigung 1 mm (keine Skala)
Stößelsupport Verstellweg 80 mm
Stößelspindel Steigung / Skalenstrich 2 mm / 0,05 mm
Stößelsupport Schwenkbereich +/- 45°
Tischfläche (B * T) 200 * 250 mm
Größter Abstand Tisch / Stößel 180 mm
Schraubstock (Spannw. * Backenbr.) 160 * 115 mm
Raumbedarf (B / T / H) 900 * 1100 * 1600 mm

Erfahrungen:

Hab ich noch recht wenig.
Zunächst gilt es mal die Eigenheiten der Maschine rauszufinden, sie einlaufen zu lassen und die Hobelstahlgeometrien rauszufinden. Insbesondere beim Schlichten hatte ich Schrierigkeiten, bis ich im Stößelkopf eine lockere Schraube gefunden habe. Entfetten des Kopfes (da war lauter Konservierungswachs drinen) hat - neben sauber geschliffenen Stählen- einiges gebracht. Ich bin mir aber sicher, noch mehr rausholen zu können.

Das Fundament:

Da der Boden in meiner Kellerwerkstatt nur aus paar cm Beton besteht, hab ich mir einen Sockel gegossen. Dazu hab ich 4 ca. 40 cm tiefe Punktfundamente in den Kies unter dem Boden gegraben. Mit langen ankerförmigen Zugschrauben und 100kg Beton vibriert der Boden bei schweren Schnitten aber immer noch leicht.

Zum Schluß:

Ja, die Bilder wurden im Garten gemacht. Erstens hatte ich noch keinen Platz in der Werkstatt und zweitens brauchte ich erst mal eine Laufkatze um das Ding in den Keller zu bekommen. Hat mich aber nicht davon abgehalten die Maschine im Garten zu verkabeln und am Sonntag nachmittag fröhlich dahinzuhobeln. Sie läuft recht leise.

Links:

Ich glaube, ich bau mir meine Digitalanzeige auch an die Maschine an …
Hier ist eine Gack H 20 (zerlegt, aufgearbeitet und montiert)
Hier ist eine Gack K 150. Eine unglaublich schöne Kehlhobelmaschine im Super-Zustand. Ich hatte mit Hugh mehrfach Kontakt